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60 Minuten - Legenden der Zeit

Es gibt einen Blogeintrag. Passend zu einer Woche, in der die Zeit teilweise nicht schnell genug vorübergehen konnte und, wie ich glaube, Matty und ich mehr Glück als Verstand hatten. Den möchte ich uns übrigens im Nachhinein aberkennen. Ich habe wenigstens die Ausrede, dass meiner in einer Buchreihe steckt. 

 

»Spazieren? Echt jetzt?« – »Ach komm, eine kleine Runde geht doch?«

 

Logbuch der Verrücktenoase, Montag, 16. Mai 2022, circa 16:30 Uhr

 

Bochum befindet sich zwischen mehreren Gewitterfronten, eine Autorin namens Matty nutzt die Gunst der Minute und überquert die 150 Meter zwischen den Häusern. Es ist Spaziergangzeit und nachdem sich Matty und Ash vorab mal wieder über den Radar (vor Bochum scheinen sich alle Fronten zu teilen, wir haben halt die Höllenschlund-Countdown-Ampeln) lustig gemacht haben, wurde Ash am Hosenzipfel gepackt und zum Spaziergang gezerrt. 

Die Klügere (Ash) gibt nach, entscheidet sich, dass der neue Schirm ohnehin ausprobiert werden muss, also wird im Starkregen (sind wir doof) das Haus verlassen. 

Wohin? 

Weit weg stand mal nicht zur Debatte, also Straße runter – die Entscheidung: Rechts, gleich wieder rechts und bergauf oder rechts, vier Schritte geradeaus und in die Nebenstraße und dort den Berg hoch? Irgendwie müssen wir an dieser Stelle doch noch einen Geistesblitz gehabt haben, denn wir haben die Nebenstraße gewählt. An diesem Punkt war der Schirm übrigens absolut unsinnig, was von oben nicht nass wurde, war von unten durchnässt. Schwimmende Schuhe kann man so auch waschen ...

Mit halben Hechtsprüngen (OK, ein altersschwaches Kaninchen hüpft weiter) sind wir durch die Bäche gewatet. Und es wurde hell. Es knallte. Seltsamerweise kamen wir zeitgleich auf den Gedanken, jetzt doch mal zurückzugehen. 

Ich entschied mich, mit zu Matty zu gehen, immerhin wartete dort eine neue dreifarbige Schönheit auf mich (also in der Kratzhöhle, auch ich kenne Frozy nur von Bildern und Videos). Vermutlich haben wir beide für die Neukatze ein leicht verstörendes Bild abgegeben, denn hosenlos (es ist interessant, wie schnell sich Stoff wie hoch vollsaugen kann), sockenlos und recht bedröppelt. Und dann? 

Kein Strom. An dem Zeitpunkt haben wir beide wohl nicht viel gedacht und an einen normalen Stromausfall geglaubt. Als ich zurück nach Hause ging, war wenigstens wieder Licht im Flur. Die Whatsapp kam kurz darauf. 

 

Was lernen wir aus dieser Woche? Dass ich (mein Haus) Glück hatte, denn hier war nichts. Gut, mein Laptop hätte eh nicht am Strom gehangen und ich habe sündhaft teure Steckdosenleisten im Gebrauch. Matty hatte weniger Glück. Eventuell aber trotzdem mehr Glück als so manche Nachbarn, denn stinkt es aus Steckdosen verbrannt, reicht es meist nicht, nur die Steckdose auszutauschen. Trotzdem half ihr und mir mit passendem Link und Nachdenken diese Episode weiter: Es ist sinnvoll, sich doppelt und dreifach abzusichern. Die nächste Amazonbestellung geht also auch bei mir in Richtung Zusatzsteckdosenadapter. 

 

Warum erzähle ich euch das? Weil mir im Nachhinein einfiel, dass wir die andere Straße vor ihrem Haus auch häufiger hochlaufen. Hätten wir das an diesem Montag gemacht, dann. Naja, über manche Dinge sollte man nicht nachdenken. So viel Zeit hat man nicht. Apropos Zeit ...

 

Legenden der Zeit 

 

Stellt euch mal vor, ihr hättet täglich nur 60 Minuten, um euer menschliches Leben zu führen. 60 Minuten für die Liebe, 60 Minuten zur Verständigung, 60 Minuten mit dem Gedanken, nie zu wissen, ob euch noch einmal 60 Minuten zur Verfügung stehen. 

 

Die Reihe entstand ja eigentlich aus reiner Zickigkeit, weil mir Gestaltwandler persönlich völlig auf die Nerven gehen (seid ehrlich: Meist sind es die coolen Tiere). Im Laufe der Spaziergänge (praktischerweise an einem Gartenteich vorbei) wurden die Legenden daraus. Damals hießen sie noch »Goldfisch«, der kommt immer noch vor und ist einer der Hauptcharaktere. Aber wie Geschichten in meinem Kopf ihren Lauf nehmen, entstand mit Jack mein eigentlicher »Held«: Ein zehnjähriger Asperger-Autist, der dank seiner Krankheit Dinge sieht, die normale Menschen/Erwachsene nicht sehen können. Und da wären die Kinder, also die, denen von Erwachsenen noch nicht die Fantasie ausgetrieben wurde, und die wissen, dass ihre imaginären Freunde zwischen 23 Uhr und Mitternacht so gar nicht eingebildet sind. 

 

Eigentlich handelt »Legenden der Zeit« von einem Fluch, mit denen vor langer, langer Zeit die ersten Siedler der Region belegt wurden. Sie nahmen der Umwelt zu viel, gaben zu wenig, wilderten und zerstörten – bis die Geister sie zu den Lebewesen werden ließen, die die Siedler ausbeuteten. Bis heute taucht der Fluch immer wieder auf. Und Jack will, mit Hilfe eines Einsiedlers, den Fluch endlich beenden. 

 

Natürlich kommen ausreichend Männer vor, die, so ungleich sie auch sind, in sechzig Minuten allerhand mit sich anzufangen wissen – und Beziehungen führen. Immer mit der Angst, was passiert, wenn der Fischreiher den Goldfisch am Tage erwischt oder eine Eule gefangen wird. Da die Geschichte (im ersten Teil) überwiegend aus Jacks Perspektive erzählt wird, gibt es natürlich keine schmutzigen Szenen. Gut, er klaut den Bademantel und die Joggenhose seines Papas, damit er keine nackten Männer anschauen muss. 

 

Am 20. Juni geht es los (zwei von euch werden das Buch schon früher im Postfach haben, sie haben halt den Newsletter gelesen). 

 

Und sonst so? 

 

Ich hatte Samstag Besuch (und den Dienstag zuvor auch) und habe Leser in echt, Farbe und Dolby Surround kennengelernt. Demnächst werde ich mich revanchieren und beweisen, dass ich »aus dem Bahnhof raus, über den Busplatz und rechts« oder so ähnlich auch nicht kapiere. Ich habe ihr schon angedroht, in das Hasen-Villenviertel zu ziehen, das sie gebastelt hat, aber noch hat sie Chancen: Das Festival könnte mein Ende sein. 

 

Meine Bücher findet ihr zum größten Teil seit dieser Woche auch in den Tolino-Shops. Falls diejenigen, die meine dortige Statistik von der Null-ich-bin-tot-Linie in die Höhe katapultiert haben, das hier lesen: Ich danke und ich liebe euch. Versteht das bitte nicht als Drohung (wenn ich drohe, dann drohe ich mit meinen Gesangsnichtkünsten). »Die Erwählten« folgen diese Woche, Teil 1 und 2 erhalten die jeweiligen Outtakes gleich mit im Buch, Teil 3 bekommt das Oster-Outtake (dazu kommt mehr an anderer Stelle, es soll schließlich jeder bekommen, der schon den Teil hat). 

 

Ansonsten fiebere ich allen News über meine kleinen Toclafane entgegen. 500 Gramm haben sie jetzt (gut, eines ist knapp drunter), puschelig, Mama dürfte sich durchaus ohrentechnisch offenbaren. Und gestern wurden sie live am Telefon zum ersten Mal beim Namen genannt: Mogwai und Grogu. Heute sind sie von (meinem) Gästebett runter auf den Boden gezogen und werden jetzt die Tage wohl die große weite Gästezimmerwelt erkunden. Mal sehen, wann sie so kräftig sind, sich mal mit dem restlichen Haushalt anzufreunden. Grogu scheint durchaus zickig zu sein, immerhin hat sie schon geknurrt, als sie auf die Waage musste. 

 

Da Meta und Co. einen blöden Algorithmus haben, poste ich die Bilder und News rund um die kleinen Toclafane, die im Auftrag des Masters (in diesem Fall: Katzenmama Missy) die Welt erobern sollen (habe ich Whovians unter meinen Lesern? Wir singen jetzt alle: I can’t decide, whether you should live or die...) nur im Newsletter. Klickt ihr den Newsletter oben im Menü an, könnt ihr euch mit wenigen Schritten registrieren. Ich verspreche euch: Ich erwähne da selten diese Lieder. Dafür müsst ihr T-Online-Nutzer wohl manuell die Absenderadresse freigeben, sonst hakt es irgendwie. 

 

Ok, mit den Worten und der Gewissheit, dass ihr euch jetzt auch nicht entscheiden könnt, ob ich leben oder sterben soll, mache ich jetzt Schluss. 

 

Eure Ash